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Statement-Shirts

Willkommen im Zeitalter des Statements! In den Siebzigern waren es die verbrannten BH’s, in den Achtzigern die rotzfrechen Docs, in den Neunzigern die fetten Buffalos, in den Nullerjahren… ja was denn eigentlich? Mehr oder weniger politische Modestatements gabs wohl schon in jedem Jahrzehnt. Nur neu waren sie irgendwie dann doch nicht – eher reinterpretiert. Zumindest gilt dies für das Statement, welches den Zenit im 2017 erreicht hat: das Statement-Shirt. Diese Entwicklung schwebte der Designerin und Aktivistin Vivienne Westwood bestimmt nicht vor, schliesslich ist sie sozusagen die berühmteste Vorreiterin des «Trends» (hier einige Beispiele davon). Doch wie viel Statement steckt 2018 denn eigentlich noch in dieser Bewegung?

Statement: vom Anfang zum Ende

Natürlich liegt der Ursprung noch viel weiter zurück, die deutsche Elle hat dies hier im Überblick gut zusammengefasst und zugleich mit dem Artikelende selbst ein Statement gesetzt: «Shoppe hier die coolsten Statement-Shirts». Ein Statement ist also längst nicht mehr politisch, es ist vielmehr ein Ausdruck des Selbst, welches man käuflich erwerben kann. Gleich einer Caption unter dem neusten Instagram-Bild. Ich will damit nicht sagen, dass das falsch sei. Wir können nicht einfach nur mit den Augen rollen und finden «früher war alles besser», die Realität ist nun mal eine andere. Und das ist auch gut so. Mode war schon immer Ausdruck des eigenen Selbst und Spiegel der Gesellschaft. Zudem werden heute mehr denn je Themen angesprochen, die viel zu lange tabuisiert wurden und nun werden diese Hashtagparolen halt auch auf Shirts gedruckt. «It’s all about the reach»… könnte nun an dieser Stelle auf grossen Buchstaben auf meiner Brust prangen.

Schauen wir uns mal das berühmteste Beispiel an:

The Future is Female (1975). Oder auch: We should all be feminists (2017).

Bloggerinnen*, die ich bewundere, haben es vorgemacht. Plötzlich waren sie überall, diese feministischen Statements. Ich habe lange überlegt, ob ich mir das T-Shirt kaufen sollte. Getan habe ich es aber nie und heute weiss ich auch ganz genau weshalb. Zunächst einmal: Dior wollte dafür tatsächlich 550 Euro haben. Da ist das It-Statement-Piece von Gucci ja ein Schnäppchen dagegen. Wie ich zu dieser Thematik stehe, kannst du dir an dieser Stelle denken (oder ich verweise auf den Artikel der lieben Mädels von amazed). Und wo High Fashion ist, ist auch die sogenannte Fast Fashion und seine Duplikate nicht weit. Nun kann sich wirklich jeder sein Statement auch leisten. Gut so, schliesslich sollte das nicht nur einer «privilegierten» Gruppierung vorbehalten sein.

Ich bezweifle jedoch stark, dass sich jedes Mädchen und jede Frau auch wirklich mit dem Geschriebenen auf dem Shirt auseinandersetzt und sich überlegt, welche Botschaft denn da auf den Brüsten der Welt präsentiert wird.

Und genau darauf will ich hinaus. Ich nicke dem Slogan «We should all be feminists» zu. Aber engagiere ich mich wirklich aktiv für die Thematik? Leider nein. Ich, für meinen Teil, kann kein modisches Statement setzen, hinter dem ich nicht stehe, weil ich nichts anderes tue, als dieses Shirt zu tragen.

Meine Statemens 2018

Grosse Parolen kann auch ich schwingen, schon klar. Ich darf und muss ja zugeben, dass ich vom Trend nicht ganz verschont geblieben bin, wenn ich in meinen Kleiderschrank blicke. Es sind doch so einige Slogans und Statements auch in meiner Shirt-Schublade zu finden. Nur eben der etwas anderen Art und hinter die ich wohl länger als eine Saison stehen kann. Denn zu jedem Shirt gibt es eine Geschichte und so kann ein Stück Stoff eben auch zu einer kleinen persönlichen Geschichte werden.

Arigato gozaimasu

In Japan ist eine, nein zwei, grosse Lieben entstanden. Nicht nur zu meinem Partner, sondern auch zur Kultur, dem Land, der Sprache, dem Essen… 3.5 Jahre später bin ich noch genauso fasziniert von diesem Land, wie von keinem zweiten (siehe auch meine Japan-Reiseberichte). Was mich vor Ort am meisten geprägt hat, ist der Respekt und die Freundlichkeit, welche die Japaner einander und auch Fremden gegenüber entgegenbringen. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass mich die Kurzform des japanischen «Danke» sogleich zum Kauf dieses Shirts (leider nicht mehr erhältlich, aber den Shop kann ich empfehlen) bewegt hat. Ein Plus: Die Qualität des Stoffes ist wirklich ausserordentlich und lässt mich immer mit Dankbarkeit auf die Reise meines (bisherigen) Lebens zurückblicken. 

Arigato. Frankie.


Feel good



Ich hoffe, du hast einen sogenannten «feel good song» auf Lager, den du genau dann abspielst, wenn du es am meisten nötig hast. Für mich ist das der 1979er Hit «It’s My House» von der Discoqueen Diana Ross. Nach einem besch… Tag schmeisse ich meine Schuhe in eine Ecke, ziehe meine «feel good»-Trainerhosen an,  drehe diesen Song ganz laut auf und tanze durch meine Wohnung. Schliesslich ist es «my house and I live here» und kann tun, was ich will! Dieses Shirt erinnert mich an dieses Gefühl und mit seinem 90ies-Look an kindliche, sorglose Zeiten.

And good vibrations won’t let me go

Got Milk?

Statement-Shirts für Mütter, so lautet das Konzept des Labels Womom. Mit dem neusten Streich «Adieu Cliché» lässt sich der Shop der beiden deutschen Gründerinnen wohl auch am besten umschreiben. Oder anders gesagt:

Inspired by Momlife, for every woman.

Die Shirts sind also nicht nur für Mütter gedacht. Mich persönlich hat das «Milk» Shirt in erster Linie grafisch angesprochen und in zweiter erneut an eine Reise erinnern lassen, die wir im 2015, zu unserem 30. Geburtstag, im Freundeskreis angetreten haben. Es ist sozusagen eine Hommage an meine laktoseintoleranten Jungs, die ein legendäres Selfie vor dem Milchregal in Stockholm gemacht haben. Und genau diese Erinnerung bringt mich jedes Mal, beim Tragen dieses Shirts, zum Lachen.


Girls Girls Girls

Lang. Blassrosa. Umwerfend.

Ja, ich bin bekennendes «Sex and the City» Fangirl. Das Wort «Rosa» erinnert mich nämlich immer sofort an dieses Zitat von Samantha. Es war aber auch meine Farbe im 2017 (und die Liebe hält an!). Angefangen hat es im Mai bei einem Besuch in meiner liebsten Stadt Berlin. Da spazierte ich am ACNE-Shop vorbei und verliebte mich auf den ersten Blick. Den rosa Mantel wollte ich auch nur einmal anprobieren, dabei blieb es natürlich nicht, denn schwupps, kaufte ich mir diese teure Sünde. Und habe es keine Sekunde lang bereut. Kein Wunder wurde ich fortan von der Farbe magisch angezogen. Denn keine 100 Meter weiter, im «Kauf Dich Glücklich»-Shop, sah ich dieses Shirt und tütete es ebenfalls ein. Dieses «Go Girls» ist also meiner liebsten Serie gewidmet und erinnert mich daran so selbstbewusst wie Samantha, selbstreflexiert wie Carrie, zielstrebig wie Miranda und fürsorglich wie Charlotte zu sein.


Abschliessen möchte ich meinen Artikel mit folgenden Worten und den nachfolgenden Gedanken: Ich wünschte, mehr Menschen würden sich damit auseinandersetzen, welche Buchstaben oder Sinnbilder sie modisch in der Welt repräsentieren. Denn Mode ist Sprache und Ausdruck. Auch wenn wir nicht alles furchtbar ernst nehmen sollten. Hinterfragen sollten wir die Slogans der Modeindustrie trotzdem und gerade deswegen. Vielleicht sehen wir ja eines Tages das It-Shirt der Saison mit folgendem Statement:

The present is equal.

Denn diese Worte würde ich sehr gerne in die Welt tragen wollen – wären sie denn auch wahr.

*Anm: Die Kooperation von This is Jane Wayne mit der Ladenkette Kauf Dich Glücklich ist unter fairen Bedingungen in Europa hergestellt worden. Und das ist für mich persönlich, das viel wertvollere Statement.

Der Beitrag Statement-Shirts erschien zuerst auf DITO.


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